Pferdegedichte

Der Reiter (Wilhelm Busch)

Mein Freund an einem Sonntagmorgen
Tät sich ein hübsches Rößlein borgen.
Mit frischem Hemd und frischem Mute,
In blanken Stiefeln, blankem Hute,
Die Haltung stramm und stramm die Hose,
Am Busen eine junge Rose
Wie ein Adonis anzusehen.
Die Reiter machen viel Vergnügen,
Wenn sie ihr stolzes Roß bestiegen.

Nun kommt da unter sanftem Knarren
Ein milchbeladener Eselskarren.
Dass Rößlein, welches sehr erschrocken,
Fängt an zu trappeln und zu bocken.
Und, hopp, das war ein Satz, ein weiter!
Dort rennt das Roß, hier liegt der Reiter,
Entfernt von seinem hohen Sitze,
Platt auf dem Bauche in der Pfütze.
Die Reiter machen viel Vergnügen,
Besonders, wenn sie unten liegen.

Dreigespräch (B.v.Münchhausen)

Der andere in der Lederweste sprach:
„Lacht mich nicht aus und denkt nicht drüber nach:
Mir kam bei meines „Sperbers“ Galoppaden,
-Es war der Große Preis von Baden-Baden,-
Einmal der Wunsch: hier, hinterm Hindernis,
Da trug ich leicht des Grabes Finsternis!

In des Geläufes weichen Sand vergraben,
Wo landend ihn der Huf der Gäule schlägt,
Da möchte ich meine letzte Stätte haben,
Wenn mich der Tod einmal vom Sattel fegt!
Da hör ich über mir wie Regentropfen
In heißem Hetzen harte Hufe klopfen
Und hör die Eisen leise klingen,
Und hör die Peitschen Sausen und Singen,
Und hör das süßeste aller Lieder:
Das Lederknirschen der Sättel wieder!

Und wenn da droben das Feld hinschießt,
Tief im Grab eine welke Hand sich schließt,
Eine Zügelhand, die nicht vergessen kann,
Und ein Reiterherz weint zur Sonne hinan:
Das höchste Glück der Erde
Lag auf dem Rücken der Pferde!

Lieber alles (Joseph von Eichendorff)

Soldat sein ist gefährlich,
Studieren sehr beschwerlich,
Das Dichten gar possierlich
In diesen wilden Zeiten.
Ich möcht am liebsten reiten,
Ein gutes Schwert zur Seiten,
Die Laute in der Rechten,
Studentenherz zum Fechten.
Ein wildes Roß ist’s Leben,
Die Hufe Funken geben,
Wer’s ehrlich wagt, Bezwingt es,
Und wo es tritt, da klingt es!

Sommerabend (Peter Huchel)

Wenn sein reiten zur Schwemme
Aus dem steinernen Tor
Abends über die Dämme,
brennt noch die Sonne im Rohr.

Frei von des Tages Bürde
Reiten sie Seit an Seit.
Horch, wie der Hengst in der Hürde
Zornig nach Liebe schreit.

Uferwärts Roßeschnauben,
Zuruf, Lachen und Trab.
Vögel mit seltsamen Hauben
Tauchen erschrocken hinab.

In die schäumenden Fluten
Hinter der sandigen Furt
Drängen Fohlen und Stuten
Ohne Sattel und Gurt.

Reiter mit jungen Stimmen
Werden den Tieren nicht schwer,
packen die Mähnen und schwimmen
neben den Pferden her.

Knaben schön ist das Leben,
wenn es noch stark ist und gut.
Seht, wie die Lerchen schweben
Spät in der Abendglut.

Unter erlöschendem Himmel
Zittert des Hengstes Schrei.
Reiter, Rappen und Schimmel,
bald ist der Sommer vorbei.

Sprüche:

Glas zerschellt, und Wein wird knapp,
Freunde auch versagen –
Eldir wird im sichern Trab
mich alle Wege tragen.
Es schlagen oft gar tiefe Wunden
die Krallen unsrer Welt.
Seit ich dieses Pferd gefunden,
mein Leben Freud’ enthält.
(aus Island)

Wer nie im Morgentau auf leichtbehuftem Pferde die Welt durchstreift,
weiß nichts um des Lebens höchstes Glück
(unbekannt)

Das mir mein Pferd das liebste sei,
sagst du oh Mensch, sei Sünde.
Das Pferd blieb mir im Sturme treu,
der Mensch nicht mal im Winde.
(unbekannt)

Mein Pferd und mein Mann starben am gleichen Tag.
Meinem Mann möge Gott gnädig sein, meinem Pferd trauere ich nach.
(unbekannt)

“Wo in der weiten Welt ist Adel ohne Hochmut? Wo die Freundschaft ohne Mißgunst? Wo die Schönheit ohne Eitelkeit?
Hier, wo Anmut sich paart mit der Kraft und die Stärke gebändigt wird durch Sanftmut.”
(Aus “Das Königreich des Pferdes”)

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